Montag, 8. Februar 2016

"Wenn man an das Handelsgewühl in Hamburg, und an die rege Thätigkeit gewohnt ist, die dort alles, was auf Handel und Handlungsgeschäfte Bezug hat, belebt, so findet man hier einen sehr in die Augen fallenden Unterschied und Abstand.
Man ist hier im Handel weit gemächlicher, läßt sich nicht in so große Wagestreiche und Speculationen ein, und begnügt sich hauptsächlich nur mit jenen Handelsgeschäften, deren Vortheile arithmetisch gewiß sind.
Überhaupt ist hier der Handlungsgeist lange das nicht mehr, was es vormals war, und ein großer Theil der Kaufleute verläßt sich hier blos auf den Vortheil der Lage, die ihm einen sicheren Verdienst von der Spedition in die Hand spielt, ohne sich weiter in eigene bedeutende Handlungsunternehmen ein zulassen.”
Mitteilungen des Vereins für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde. 1891, Heft 5. S. 119
Quelle:http://www.archiv.luebeck.de/files/bast/f03.pdf

Heute haben wir uns Lübeck als Ziel vorgenommen. Eigentlich ist Regen gemeldet, aber bis auf eine ganz kurze Dauer Nieselregen ist das Wetter schön geblieben und sogar sonnig.

Lübeck hat eine unglaubliche Vielzahl von alten Häusern, kleine und große , neoklassizistische und richtig alte. Die Altstadt gehört seit 1987 zum Unesco-Weltkulturerbe. Auch Lübeck blieb nicht von den Bomben im 2. Weltkrieg verschont:

Im Rahmen der kurz zuvor erlassenen britischen Area Bombing Directive erfolgte am 28./29. März 1942 – die Nacht zum Palmsonntag – durch die Royal Air Force ein Luftangriff auf Lübeck, der die dichtbebaute mittelalterliche Altstadt zum Ziel hatte. Bei dieser ersten Flächenbombardierung einer Großstadt wurden insgesamt 320 Menschen getötet und 1.044 Gebäude zerstört oder beschädigt, unter ihnen die Marienkirche, die Petrikirche und der Dom. Am 2. Mai 1945 besetzten Truppen der britischen Armee die Stadt, deren weitere Zerstörung durch den deutschen Generalmajor Kurt Lottner vermieden wurde, indem er die bereits angebrachten Sprengsätze an den Brücken und Kaimauern entfernen ließ. 
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lübeck

Das Weltkulturerbe auf der Altstadtinsel besteht aus weit über tausend Gebäuden, die als Denkmäler in die Denkmalliste eingetragen sind. Zu den wichtigsten Bauwerken gehören die vielen (sieben!) Backsteinkirchen mit ihren Zauberhut-Türmen mit grüner  Patina, sie sind im Verhältnis zum Baukörper sehr lang und oben spitz. Die Marienkirche ist heute die drittgrößte Kirche Deutschlands und gilt als Mutterkirche der Backsteingotik. Ihr Schiff ist fast 40 Meter hoch.

Aber Spaß machen auch die vielen kleinen Häuser und insbesondere die in der Hüxgasse und den umliegenden Parallelstraßen. Hier findet man ganz viele kleine individuelle Läden, die keiner Kette angehören. Die meisten von ihnen bieten Mode, Schmuck, Dekorative Antiquitäten und antiquarische Bücher an. Dazwischen Cafés und kleine Restaurants, Weinkontore und Handwerker. Darunter ein Friseurladen "Skalp", den ich mir gestern bereits ausgesucht hatte, weil mir die Internetseite gefiel und Bonus war, dass heute offen ist. Glücklicherweise bekomme ich, da jemand abgesagt hat, einen Termin um Zwei. 

Neben den kleinen Häusern in den Gassen gibt es aber auch viele Repräsentationsbauten aus Lübecks großer Zeit als Hanse- und Handelsmetropole. So zum Beispiel das Versammlungshaus der Schiffergesellschaft aus dem Jahre 1535. 

Eine Besonderheit sind auch die Durchgänge zu den im Hinterhof gelegenen kleinen Hinterhäuschen, aus Platzmangel und aus der Not geboren, heute ein Kuriosum, es gibt immerhin über Hundert solcher Gänge und sie sind heute ein ruhiger Platz für die Bewohner.

Zu meiner Lobpreisung von Lübeck gehört natürlich noch, dass es hier viele interessante Museen gibt, unter anderem natürlich das Buddenbrookshaus, in dem ich schon zweimal war.

Lübeck hat auch noch zwei großartige Stadttore, das Burgtor , durch das man von Travemünde kommend fährt und das berühmte Holstentor. Es sieht uralt aus, da es krumm und schief ist, wurde aber erst im 19. Jahrhundert restauriert und übrigens fast ganz abgerissen. Schuld am Fastabriss war das geänderte Verhältnis zur Stadtarchitektur durch die Lübecker Bürger zur Zeit der Industrialisierung. Es ist also nicht wirklich neu, dass im Zuge der Moderne alte Bauten abgerissen werden. Hinterher tut es den meisten leid. Glücklicherweise passierte das mit dem Holstentor dann doch nicht und das kam so:

"Tatsächlich gab es 1855 eine Eingabe lübscher Bürger an den Senat, endlich das verbliebene Tor abzureißen, da es einem Ausbau der Bahnanlagen im Wege stünde. 683 Unterschriften stützten diese Eingabe.
Allerdings gab es in jener Zeit auch Widerstände gegen die Zerstörung der alten Bausubstanz. So schrieb 1852 August Reichensperger: „Selbst Lübeck, einst das stolze Haupt der Hanse, scheint den Abglanz seiner früheren Herrlichkeit nicht ertragen zu können. Es verstümmelt, beschneidet und übertüncht so unverdrossen, daß die „moderne Aufklärung“ sich bald seiner nicht mehr zu schämen haben wird.“
Als König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen davon hörte, entsandte er den damaligen Konservator für Kunstdenkmäler im Königreich Preußen, Ferdinand von Quast, um „zu retten was zu retten ist“.
Der Streit um den Abbruch zog sich lange hin. Erst 1863 kam es zu einer Entscheidung, in der die Lübecker Bürgerschaft mit nur einer Stimme Mehrheit beschloss, das Gebäude nicht abzureißen und stattdessen umfassend zu restaurieren.
Inzwischen war das Tor in einem sehr schlechten Zustand, da es jedes Jahr einige Zentimeter im Erdboden versank. Die tiefsten Schießscharten befanden sich bereits 50 Zentimeter unter dem Erdboden, und die Neigung des gesamten Tores nahm gefährliche Ausmaße an. Dadurch veränderte sich die Statik des Gebäudes drastisch, so dass man den Einsturz befürchtete. Bis ins Jahr 1871 wurde das Holstentor von Grund auf restauriert.
Hiernach änderte sich die Beziehung der Lübecker zum Holstentor. Es wurde nicht mehr als lästige Ruine wahrgenommen, sondern als Wahrzeichen einer stolzen Vergangenheit. 1925 machte der Deutsche Städtetag das Holstentor zu seinem Wahrzeichen. Schon 1901 übernahm der Marzipanhersteller Niederegger das Holstentor in sein Firmenwappen. Andere lübsche Firmen taten es ihm gleich."(wikipedia a.a.O.)

Nach dem Friseur kaufen wir bei Saturn noch eine neue Fritz Box und auf einmal ist es schon halb fünf. Wir waren immer noch nicht im Hansemuseum und auch nicht beim Werksverkauf von Niederegger (Danke, Henry für den Tipp). Aber morgen ist ja auch noch ein Tag!

Auf dem Weg nach Travemünde kommen wir über die Travemünde Allee (ach was) und rechts und links stehen tolle Villen, umgeben von Parkanlagen und immer wieder Wasser. Wir haben bei Engel & Völker ins Schaufenster geguckt und waren relativ erstaunt, dass Lübeck gar nicht so teuer ist. Aber zu spät, Notarvertrag ist unterschrieben...;)

Handelshäuser auf dem Weg zur Trave (oder Wakenitz oder Elbe-Lübeck Kanal)
Lübecker Teekontor

alte Gasse

Haus mit Klappbank.

Einer der 100 Gänge.

...und noch einer

alte Hoftür

Zwei Türen und ein kleiner Laden

Man beachte, dass es überall Doppelfenster gibt.

Hier wohnte der Drucker Balhorn, nach  dem  der Begriff "Verballhornen "entstand .

Antiquariat Adler in der Hüxgasse

Niederegger und im Hintergrund Marienkirche 

Düxgasse

Typisches Ladenlokal

Antiquitäten

Schild an einem Blumenladen

Handgenähte Kindersachen

Schuhmacher und die Türme der Marienkirche 

Schiffergesellschaft

Haus in der Julius-Leber-Straße

Laden gegenüber des Gymnasiums

Friseur Skalp auf der Düxstraße

Eislaufen an der Marienkirche

Räder vor dem Parteibüro "Die Linken"

Noch ein schöner Hauseingang

Methodistenkirche

Holstentor aus dem Auto


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